10 Februar 2016

[Rezension] "Jane Austens Northanger Abbey" von Val McDermid

Originaltitel: Northanger Abbey (Austen Project 2)
Autor: Val McDermid
Erscheinungstermin: 11. Januar 2016
Seitenanzahl: 304 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3959670180


Millionen Leser hat Val McDermid mit ihren psychologischen Krimis begeistert. Jetzt bezaubert sie mit einer Neufassung von Jane Austens Northanger Abbey.

Lesen ist gefährlich! Zu gern verliert die 17-jährige Pfarrerstochter Cat Morland sich in der Welt der Bücher und träumt von aufregenden Abenteuern. Die sie im ländlichen Piddle Valley niemals finden wird! Doch dann darf sie ihre Nachbarn, die Allens, zu einem Kulturfestival nach Edinburgh begleiten. Wo sie nicht nur unerwartet in Bella Thorpe eine neue Freundin findet, sondern sich in den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Henry Tilney verliebt. Als Henry und seine Schwester Eleanor sie auf den schönen, aber düsteren Familiensitz Northanger Abbey einladen, geht Cats Fantasie mit ihr durch. Was, wenn hier ein Verbrechen stattgefunden hat? Und tatsächlich wird es für sie gefährlich – wenn auch auf unerwartete Weise.
(Cover und Inhalt Copyright by Harper Collins)

Puhh kennt ihr diesen Moment, wenn ihr die letzten Seiten eines Buches zuschlagt, euch umschaut und euch fragt. "Was wollte das Buch mir jetzt damit sagen?". Manchmal denkt man über die rasante oder plötzliche Wendung am Ende nach und manchmal ... denkt man sich einfach nur: "Was für ein Mist!" Bei "Jane Austens Northanger Abbey" war es leider der zweite Gedanke. Ich möchte gleich noch erwähnen, dass ich das Original "Northanger Abbey" von Jane Austen noch nicht gelesen habe und ich weiß auch, dass es so etwas wie eine Parodie sein soll aber Parodie, ist für mich eher lächerlich aber witzig und nicht lächerlich aber nervig.

Ich war richtig froh, als ich das Buch zuklappen und zur Seite legen konnte, denn es war eine Qual es zu lesen. Ganz ehrlich? Das sollte eine modernisierte Fassung sein? Das Wörter wie Smartphone, Twitter, Facebook und E-Mails erwähnt werden und die Menschen in Autos anstatt Kutschen umherfahren, war aber auch das Einzige. Der Schreibstil lies sich gut lesen. Er erinnerte sehr an das Original und deshalb passte es überhaupt nicht, wenn plötzlich erwähnt wird, dass Cat ihren Facebook-Account und Twitter überprüfen möchte. Durch diese Einbringungen wurde ich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen, seufzte und versuchte mich wieder auf den Text zu konzentrieren. Es passte einfach nicht mit dem Schreibstil zusammen. Die Aussprache war eine schräge Mischung aus historisch und versucht jugendhaft, dazu hatten so gut wie alle Charaktere noch diese steinzeitähnlichen Ansichten. 


Am schlimmsten waren allerdings die Charaktere. Von Jane Austen Romanen ist man ja naive und etwas einfältige Frauen gewohnt und in ihren Romanen machen mir das auch nichts aus. Es gehörte einfach zu der Atmosphäre eines Jane Austen Romans. Mischt man das aber mit moderner Technik und Facebook und Twitter wird daraus eine nicht endenwollende Qual an fremdschämen. Ich glaube, so oft wie ich bei dem Buch habe ich noch nie genervt geseufzt. Fangen wir mit der Protagonistin Cat an. Sie ist eine Pfarrerstochter, die das Glück hat mit ihren Nachbarn nach Edinburgh vereisen zu dürfen. Für Cat war das natürlich eine einmalige Gelegenheit aus ihrem Nest zu kommen und die Welt kennenzulernen. Ihre naive und manchmal leicht verträumte Art schwankte immer zwischen anstrengend und doch irgendwie liebenswert. Besonders, wenn sie anfing, über Bücher zu schwärmen war sie mir mehr als sympathisch. Sie glaubt immer an das Gute im Menschen. Im Laufe des Buches ändert sich das ein kleines bisschen und ihre Neugier und vor allem ihre Eigenart sich fantastische Geschichten zusammenzuspinnen, tritt mehr in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz war sie der liebenswerteste Charakter im Buch.



Die Geschwister Ellie und Henry Tilney - Letzterer der Schwarm von Cat - die beiden hätten richtig gute Charaktere werden können. Teilweise mochte ich Henry auch mit seiner locker und leichten Art, seinen Sprüchen und seinem Humor aber es war einfach zu wenig. Die Liebesgeschichte zwischen Henry und Cat war sehr enttäuschend. Wenigstens da hatte ich mir mehr erhofft aber es war nichts, außer Cats schwärmen für Henry. Ihr Verhalten in seiner Nähe war vollkommen normal und bei ihm gab es kein Anzeichen für ernsthaftes Interesse. Außerdem wäre sein Alter interessant! Als Anwalt muss es doch einen großen Altersunterschied zwischen ihm und der 17-jährigen Cat geben? 

Anstrengend fand ich die Zeit in Edinburgh. Nicht nur Susie Allan glänzt mit ihrem hirnlosen Geschwafel, sondern auch Bella redet ohne Punkt und Komma und entpuppt sich als eine klischeehafte Blondine. Dazu ihr Bruder, der großspuriger nicht sein könnte und bei dem jedes kleine Wort schon ein Wort zu viel ist. Außerdem macht sich Cats Bruder auch nicht gerade sehr beliebt.


Gab es überhaupt einen roten Faden in der Geschichte? So richtig gesehen habe ich den leider nicht. Mir hat einfach so unheimlich viel gefehlt. Nicht nur die anstrengenden Charaktere haben mir das lesen schwer gemacht, sondern auch die fehlende Spannung. Ich hatte mehr erwartet, da Val McDermid ja eine Krimiautorin ist. Cat hat so eine lebhafte Fantasy, dass sie uns immer wieder an ihren gedanklichen Geschichten teilhaben lässt und ihre Vermutungen über Northanger Abbey und die Familie Tilney war schon absurd. Durch ihr ganzes Gerede über Vampire habe ich mich gefühlt wie in Twilight. Die Idee dahinter war ganz gut aber es gab viel zu viele Anzeichen dafür, dass die Familie keine Vampire sind.

"Jane Austens Northanger Abbey" war eine glatte Enttäuschung. Das Buch war einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Modernisierung war bestenfalls dürftig und ich wurde immer wieder hin und her gerissen zwischen Jane Austens Zeit und Neuzeit. Es gab so gut, wie keine Charaktere die ich wirklich mochte. Die langatmige und langweilige Handlung hat dann den Rest getan. Am Ende war ich nur froh das Buch zur Seite legen zu dürfen.

Wertung:


1 Kommentar:

  1. Das Buch scheint bei den meisten Leserinnen wohl nicht gut anzukommen. Ich habe es auch schlecht bewertet (Kannst ja mal in meine Rezi spitzen, wenn du magst.) und kann deine Gefühle beim Lesen sehr gut nachvollziehen. Ich habe mich ein bisschen durchgequält. Und ich glaube noch nichtmal, dass es eine Parodie sein soll, sondern dass sich die Autorin einfach keine großen Mühen machen wollte... LG, Bianca

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