26 März 2016

[Rezension] "Wir zwei und der Himmel dazwischen" von Polly Dugan

Originaltitel: The Sweetheart Deal
Autor: Polly Dugan
Erscheinungstermin:
Seitenanzahl: 400 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-426-51788-8

Garrett hat seinem besten Freund versprochen, sich um dessen Familie zu kümmern, sollte Leo je etwas zustoßen. Schriftlich haben sie es festgehalten, dass Garrett Leos Frau Audrey heiraten und seinen Söhnen ein zweiter Vater sein solle. Das ist jetzt 12 Jahre her. Und Leo ist tot. Garrett kündigt seinen Job und zieht um, um für Audrey und die Kinder da sein zu können. Und was zu Leos Lebzeiten undenkbar war, geschieht. Garrett verliebt sich: in Audrey, in die Jungs und das Leben als Familie. Doch dann erfährt Audrey von dem Versprechen …

(Cover und Inhalt Copyright by Droemer Knaur Verlag)


"Wir zwei und der Himmel dazwischen", hat ein wunderschönes Cover. Hinter dem Buchdeckel sollte sich eine sehr emotionale Geschichte verstecken, die für mich leider enttäuschend war. Die Thematik des Buches bestand aus Liebe, Freundschaft, Tod und Trauerbewältigung und alles kam zwar zwischen den Seiten vor aber emotional konnte es mich einfach nicht berühren.

Die Geschichte spielt sich über mehrere Monate ab aber mir hat beim Lesen das Zeitgefühl gefehlt. Es wurde ab und an zwar erwähnt, wie lange Leo jetzt schon Tod ist, aber das hat sich bei mir nicht eingebrannt. Ich glaube, es lag einfach daran, dass - gerade am Anfang - immer wieder erzählt wurde, wie es war als Leo noch gelebt hat, was er in der Vergangenheit getan hat und da war Gegenwart und Vergangenheit zu sehr vermischt und mein Zeitgefühl war hinüber. Erschwerend dazu kamen noch die Sichtwechsel. Nicht nur Garrett und Audrey haben etwas zu sagen, nein wir beschäftigen und auch mit der Trauer und den Jugendproblemen von Andrew, Chris und Brian. Leo lernt man ein wenig näher kennen, weil immer wieder Szenen einfließen, die ihm mit Garrett oder mit Audrey zeigen.

Audreys anfängliche Trauer, das an die Wand starren und nicht mal wissen wie sie sich anziehen soll ist sehr gut beschrieben und dadurch erfasst man als Leser, dass sie mit dem Tod ihres Mannes ihre Welt zerrüttet wurde. Jedoch hatte ich immer das Gefühl die Familie durch ein Fenster zu beobachten. Ich beobachte was sie machen aber spüre keine bzw kaum Emotionen. Es wurde immer wieder geschrieben, dass die Trauer tief ist, aber die Trauer selbst habe ich nicht richtig gespürt. Ich habe mit einem sehr aufwühlenden und emotionalen Buch gerechnet, ich habe mit Tränen und einem hohen Taschentuch verbraucht gerechnet aber keine einzige Sekunde spürte ich Tränen.


Aubreys Verhalten war zum Großteil sehr nachvollziehbar und der Übergang von tiefer Trauer zu Akzeptanz und das wieder Eingliedern in ihr Leben war sehr gut beschrieben und ging schritt für schritt voran. Eine Sache habe ich mich allerdings gefragt. Was ist mit einem Job? Das Thema Arbeit wurde bei ihr vollkommen unter den Tisch fallen gelassen. Auch wenn ich Audrey eigentlich mochte, hat mich ein Verhalten sehr bei ihr gestört. Darauf kann ich leider nicht genauer eingehen, weil ich sonst Spoilern würde aber gegen Ende, fand ich es einfach nur unfair und Garretts Worte, so gemein sie auch warten stimmten zum Großteil.

Garrett war für mich leider überhaupt nicht greifbar. Er war zu perfekt, zu reich und hat sich viel zu wenig sorgen gemacht. Er gibt mal eben seinen Job auf und zieht auf unbestimmte Zeit zu Audrey und ihren Kindern. Auch, wann für ihn mehr als nur Freundschaft zwischen Audrey und ihm war, wurde mir nicht deutlich bewusst. Da hat mir noch einiges an seinem Verhalten gefehlt, um aus ihm schlau zu werden.

Die Kinder Andrew, Brian und Christopher hatten jeder für sich nicht nur mit der Trauer zu kämpfen, sondern auch mit eigenen Jugendlichen Problemen. Sie lockerten die Geschichte leicht auf aber oft, fand ich die Parts der Kinder einfach nur anstrengend. Wahrscheinlich bin ich zu alt um mich in die Probleme hineinzuversetzen. Andrew war das liebste Kind und wurde zu einem Störenfried, von diesem „Störenfried“ habe ich aber kaum etwas mitbekommen, genauso Brians Albträume hätten tiefer behandelt werden können. Chris hingegen ist unglücklich verliebt und seine Schwärmerei kommt ganz gut zur Geltung.

In jedem Teil hat mir aber die Emotionalität gefehlt. Gerade bei den Kindern habe ich mich wie ein Beobachter gefühlt, dem die Kinder emotionslos erzählen was sie machen, was passiert und das sie wütend, traurig oder fröhlich sind. Es fehlte dadurch auch die Tiefe und ich konnte mich in keinen der Charaktere hineinversetzen, was den Lesefluss für mich schwer gemacht hat. Der Schreibstil lies sich eigentlich gut lesen, aber wenn man einfach kein Gefühl für die Charaktere bekommt, wird das Lesen trotzdem Schreibstil erschwert. 

Gegen Ende kamen ein bisschen mehr Emotionen auf aber da war es schon zu spät. Das Ende wurde auch ziemlich kurz gehalten. Nachdem es Schwierigkeiten gab, wurden sie in kürzester Zeit geklärt und überwunden und plötzlich war alles gut und Ende.

Die Geschichte hatte durchaus Potenzial ein sehr emotionsgeladenes Buch zu werden, jedoch haben sich in mir keine Gefühle geregt, da ich mich nicht in die Charaktere versetzen konnte. Von Gefühlen zu sprechen und sie durch die Charaktere mitzuerleben ist ein großer Unterschied und diesen Schritt von dem Ersten zum Zweiten hat mir einfach gefehlt. Ich habe wohl zu viel von der Geschichte erwartet und wurde enttäuscht. Sehr schade.

Wertung:

*Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Droemer Knaur Verlag*


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